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Eine Schule entsteht
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An einem
Monsunabend im August 1989 waren mein Mann und ich wieder einmal zu Gast
in Lama Ngawang Jinpas gemütlicher Klosterküche. Nach einer Wanderung durch
den tropfnassen Bergwald wärmten wir uns am Feuer und tranken Buttertee. Der
Lama sprach über seinen Wunsch, hier in Phugmoche, auf dem ererbten Klostergelände,
eine Schule zu bauen, die junge Sherpa mit der Tradition ihrer Vorfahren
vertraut machen solle. Seit drei oder
vier Jahrhunderten ist Phugmoche, zunächst als Einsiedelei, dann als Kloster,
das Ngawang Jinpas Großonkel baute, ein Hort des kulturellen Erbes der
Sherpa. Vor etwa 500 Jahren wanderten sie aus Osttibet in die Täler
südlich des Mount Everest ein. Ihre Sprache, das Sherpa, ist ein Dialekt des
Tibetischen. Ihre Religion ist eine altertümliche Form des tibetischen
Nyingmapa-Buddhismus. Junge Sherpa, die eine nepalische Schule besucht haben,
sind sowohl ihrer Muttersprache als auch der Kultur ihrer Vorfahren so weit
entfremdet, daß für sie kaum noch ein Anreiz besteht, in ihrer Heimat zu
bleiben oder dorthin zurückzukehren. Ngawang Jinpa
hat das Kloster und damit die kulturelle Verpflichtung gegenüber der
Sherpagemeinde von seinem Großonkel Ngawang Yontan Gyatso übernommen. Er ist
einer der Hauptakteure beim großen Frühlingsfest Dumjhe im Tempel von
Junbesi, im zentralen Ort des Solutales. Er leitet die Riten um das
Sommerfest auf den Bergalmen - vor allem aber begleitet er die Sterbenden
und die Seelen der Toten bei den für jeden Buddhisten unerläßlichen
Totenriten. Um diese alte
Tradition vor dem allzu schnellen Verfall zu bewahren, faßte Ngawang Jinpa
den Entschluß, das Klostergelände der Sherpagemeinde zum Geschenk zu machen
und in Phugmoche eine Schule zu gründen. Bislang war das Projekt am
Finanzierungsproblem gescheitert. Der Verein Freunde Nepals in München nahm
sich der Sache an, und schon ein halbes Jahr später konnte ich eine Spende
überbringen, die den Baubeginn ermöglichte. Am 8. Mai 1992 wurde die
Schule in einer feierlichen Zeremonie ihrer Bestimmung übergeben. Anschließend
wurden die ersten Schüler, 15 Jungen, eingeschrieben. |
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