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Ein Tag in Phugmoche –
April 1997 |
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Um 7 Uhr, eine Stunde, nachdem mit der Glocke der neue Tag
eingeläutet wurde, dampft in der Küche heißer, belebender Tee. Die Mädchen
und Jungen der Schule beeilen sich, denn die Zeit bis zum Frühstück um
9 Uhr verstreicht schnell. Die erwachsenen Schüler, voran der 25-jährige
Dawa, aber auch jüngere und sehr junge Kinder betreten die schummerige
Gonpa, um mit Rezitationen und ritueller Musik die Dämonen der Nacht zu vertreiben.
Andere Kinder sitzen konzentriert über ihren Hausaufgaben. Das Lachen und
Schwatzen ihrer Freunde, die in der Morgenkälte ihre Wäsche waschen, stört
sie nicht. Um 10 Uhr sind auch die Tagesschüler den steilen Hang zum Kloster
heraufgestiegen. Sie versammeln sich mit den Internatsschülern im größten
Klassenzimmer, um von Lama Ngawang Jinpa oder Ang Gyalbu, dem
Religionslehrer, den Segen zu empfangen. Nach dem Schulappell und dem
Morgengebet beginnt der Unterricht in den verschiedenen Fächern auf
unterschiedlichem Niveau. Bei einem Besuch in Phugmoche spüren Sie die Atmosphäre
freundlicher Zuwendung und Hilfsbereitschaft unter den Schülern. Die Lehrer
strahlen Güte aus. Die Kinder werden Tag und Nacht versorgt, in der Eingewöhnungsphase
auch umhegt, wobei die älteren in die Rolle des großen Bruders oder der
großen Schwester schlüpfen und sich fürsorglich um die Kleinen kümmern. Die
Altersspanne unserer Schützlinge liegt zwischen fünf und 25 Jahren. Gerade
für die jungen Menschen, die das gängige Schulalter überschritten haben, ist
diese Schule die letzte Chance, die Voraussetzungen zu erwerben, die sie in
der heutigen Welt lebens- und überlebensfähig machen. Die Idee zu diesem Schulprojekt, das in Nepal bislang einzigartig
ist, kam von Lama Ngawang Jinpa. Es hat in der Bevölkerung ein großes Echo
gefunden. Der Lama wollte etwas tun, um die buddhistische Sherpa-Tradition zu
erhalten. Inzwischen ist die Schule jedoch viel mehr als eine religiöse
Einrichtung: dank der Flexibilität und der persönlichen
Entwicklungsfähigkeit des Lamas ist Phugmoche zu einem lebendigen Organismus
geworden, der wächst und sich wandelt. Der Lama hat verstanden, daß ein
Unterricht im Dharma, in der Religion allein, heute nicht mehr ausreicht.
Deshalb werden darüber hinaus alle Fächer des nepalischen Curriculums
angeboten. Das geschieht auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Der Lama
nimmt auch Mädchen auf, die als Mütter die neue Generation erziehen und die
bei der Weitergabe von Werten eine zentrale Rolle innehaben. Unter den acht
Unterrichtenden sind inzwischen auch zwei junge Frauen. Drei der Lehrer sind
Hindus aus der Volksgruppe der Chhetri. Franziska und Analena, zwei deutsche
Studentinnen, und Peggy aus Kanada haben englische Konversation unterrichtet
und frischen Wind nach Phugmoche gebracht. Inzwischen sind Ihnen andere
Praktikanten gefolgt. Ein großer Teil der Schüler stammt aus sehr armen Elternhäusern,
in denen die Sorge um das tägliche Brot vorherrscht. Diesen jungen Menschen
möchten wir zu Bildung verhelfen. Doch dazu brauchen wir auch Ihre Unterstützung.
Für 20 Euro im Monat, zum Beispiel, können Sie eine Patenschaft
übernehmen. |
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